Ein Puppenhaus zu besitzen, ist der Wunsch fast aller kleinen Mädchen (Jungs sind daran eher weniger interessiert). Doch warum sind Puppenhäuser als Spielzeug so faszinierend? In einem Alter, in dem Kinder beginnen, Grenzen die von Erwachsenen - meist den Eltern - festgelegt sind zu erkennen, suchen sie beständig nach Möglichkeiten, diese Grenzen zu durchbrechen. Natürlich geschieht dies unbewusst und gehört zur normalen Entwicklung von Kindern dazu.
Mit einem Puppenhaus haben Kinder die realste Möglichkeit, die Welt nach zu spielen, die sie am Besten kennen, nämlich ihr eigenes zu Hause. Hier dürfen sie ohne Furcht vor Konsequenzen die Regeln verändern, die durch die Eltern oder durch das Kindsein vorgegeben sind. Da dürfen die Puppen-Kinder mit den Puppen-Eltern schimpfen, da können die Puppen-Kinder Unordnung machen, Fernsehen so lange sie wollen oder das geliebte Fahrrad im Kinderzimmer parken.
Schwere Möbel, die in der Realität unverrückbar an ihrem Platz stehen, können in Form kleiner Puppenmöbel mühelos verschoben oder verstellt werden und Wände dürfen in bunten Farben gestrichen werden. Und gefällt etwas nicht mehr, wird es einfach wieder anders gemacht. Dahinter steckt nicht der unbewusste Wunsch, die Realität ebenso verändern zu können, sondern Kinder bauen sich mit einer Puppenstube einfach eine eigene kleine Welt mit ihren eigenen Regeln und genießen das Gefühl, selbst bestimmen zu dürfen, was geschieht und was nicht.